Grenzsteine auf Weinetiketten

 Es dauerte eine Weile, doch das Suchen hat sich gelohnt! Wie bereits erwähnt, finden sich Abbildungen von Grenzsteinen auf Ansichtskarten und auf anderen Papierformaten. Was mir lange Zeit noch fehlte, waren Beispiele für Weinetiketten. Inzwischen bin ich fündig geworden.

Das erste Etikett mit einem Grenzstein stammt bemerkenswerterweise aus Südafrika.
Es ziert Flaschen des Weinguts „Slaley Wines“ in Stellenbosch, und zwar als „Broken Stone“  Weine der sog. „zweiten Gewächse“. Martin Hunting, der Vater des jetzigen Winzers, hatte den abgebildeten Grenzstein 1957 beim Roden umgestürzt hinter einem Busch entdeckt. Ein Archäologe, Prof. Vos von der Universität Stellenbosch, konnte die Initialen WCG des 1751 errichtenen Steines deuten: CG steht für den ehemaligen Farmer Christoffel Groenewald, das W für Witwe („weduwee“ = widow) wurde nach dessen Tod eingemeißelt.

Das zweite Etikett stammt vom Weingut Herbert Kercher aus Lachen-Speyerdorf, einer zu Neustadt/Weinstraße gehörigen Gemeinde. Es zeigt einen für die Gegend typischen, fast zur selben Zeit (1757) – wie der vorher beschriebene – gesetzten Grenzstein mit einem Kreuzwappen und den Initialen D und C. Eine Erklärung der Zeichen steht noch aus. Viele Dörfer gehörten in jener Zeit zum Fürstbistum Speyer, doch dessen Wappen sieht etwas anders aus (s. a. Grenzsteine geistlicher Herrschaften). Eventuell handelt es sich um einen Güterstein. Nähere Hinweise sind jederzeit willkommen!

Ein drittes Etikett entdeckte ich bei einem Besuch des (sehr empfehlenswerten) Dorf- & Rebbaumuseums im schweizerischen Riehen, unweit von Basel. In einer Vitrine war das Etikett des (nicht mehr existierenden) Weingutes Rinklin-Thommen ausgestellt. Es stammt wohl aus den späten 1970er Jahren, zeigt die Illustration eines typischen Basler Grenzsteines (Rückseite wäre die des markgräflichen Baden) für einen schlichten Weißwein. Nebenbei: Riesling-Sylvaner (= Rivaner) ist die alte, vor allem in der Schweiz gebräuchliche (irreführende) Bezeichnung für die Rebsorte Müller-Thurgau.

Grenzstein Riehen

P. S. Dank an Jean-Louis Güth für die Bearbeitung des Etiketts und an Yannick Schmitt für die Klarstellung hinsichtlich der Rebsortenbestimmung.

Per Zufall fand ich noch ein Etikett während eines Urlaubs im Vaucluse (Departement im Norden der Provence). Im Weinregal eines Gartenmarktes fiel mir eine Rotweinflsche der Winzerkooperative „Caveau Saint-Jean“ von Valréas auf. Diese bewirbt ihre Weine mit dem Hinweis „Vins des Producteurs de l’Enclave des Papes“. Diese Enklave im Departement Drôme besteht aus vier Gemeinden, und bis heute existiert eine alte Grenze, die z. T. noch mit mittelalterlichen Grenzsteinen ausgesteint ist (Näheres dazu s. „Europa und die Welt“). Das Etikett für den wahrlich ausgezeichneten „Côtes du Rhône“ würdigt im Titel „die päpstlichen Grenzsteine“, belegt auch durch die Zeichnung eines entsprechenden Grenzsteines.

Grenzstein-Etikett

 

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