Päpstliche Grenzsteine im Vaucluse (Provence)

Eine relativ kurzfristig angesetzte Urlaubsreise ins Vaucluse, ein französisches Departement im Nordwesten der Provence, führte mich auch in die sog. „Enclave des Papes“, zu deutsch „die Enklave der Päpste“. Diese besteht noch bis heute, und zwar aus den Gemeinden Grillon, Visan, dem Templer-Dorf Richerenches und dem Städtchen Valréas als Mittelpunktsort. Diese Enklave der Vaucluse liegt im Departement Drôme, gehörte einst zum Comtat Venaissin, einer Grafschaft, die als Schenkung Ende des 13. Jahrhunderts in päpstlichen Besitz gelangte und während der sog. „babylonischen Gefangenschaft“ der Päpste in der zeitweisen Residenz Avignon an Bedeutung gewann. Dieses Comtat war während der Französischen Revolution die Basis für das Departement Vaucluse. Die Geschichte für diese Region ist insgesamt sehr komplex; gleichwohl vermutete ich, dass seinerzeit entlang der Enklave-Grenze doch Grenzsteine hätten gesetzt werden müssen, und ich lag richtig.

Im Tourismusbüro von Valréas drückte man mir sogleich ein Infoblatt zu den „Bornes Papales“ in die Hand, das die historischen Zusammenhänge kurz nachzeichnet. 22 Grenzsteine haben demnach „überlebt“, fünf davon lassen sich entlang eines Grenzsteinwanderweges relativ problemlos „ansteuern“ – so hieß es. Die meisten mittelalterlichen Grenzsteine sind unbehauen bzw. derart verwittert, dass man keine Zeichen mehr erkennen bzw. nur noch teilweise deuten kann.

Die an sich recht reizvolle Wanderung (von Valréas aus) führt anfangs über Stock und Stein, schließlich entlang eines alten Grenzweges, vorbei an Weinbergen und Lavendelfeldern. Die Grenzsteine sind mit Hinweistafeln markiert. So wie dieser aus dem 14. Jahrhundert:

Bornes Papales 1

Von den genannten Fünfen fand ich nur vier; nach meiner Einschätzung waren sie unbehauen oder eben stark verwittert – wie dieser:

Bornes Papales 2

Das erwähnte (aktuelle) Infoblatt ziert ein Foto mit einem „Papststein“ in der Flur Autèze von Grillon. Mein Ehrgeiz, ihn selbst ausfindig zu machen, blieb leider ohne Erfolg. Auf Nachfrage in der Bibliothek von Grillon hatte die Assistentin, Mme Franςoise Sillac, zufälligerweise ein Foto von eben diesem auf ihrem Handy, und ich darf ihr hiermit danken, dass sie mir dieses Foto zur Verfügung stellt. Noch gut erkennen lassen sich die Zeichen des päpstlichen Wappens: zwei gekreuzte Petrus-Schlüssel:

Bornes Papales 3

Foto: Franςoise Sillac

P. S. Diese päpstlichen Grenzsteine werden auch auf einem Rotwein (Côtes-du-Rhône) gewürdigt (s. Kuriosa: Grenzsteine auf Weinetiketten)

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