Lapidarium in Bürstadt

Ich gestehe, dass ich eine solch umfangreiche Sammlung translozierter Grenzsteine bei meinem Abstecher in der südhessischen Stadt Bürstadt nicht erwartet hatte. Dieses vorbildlich mit Infotafeln versehene Lapidarium ist Teil des geologischen Gartens, der das „neue“ Rathaus seit den frühen 1980er Jahren umgibt.
Die Sammlung geht auf einen Bürstadter Bürger zurück, der vor allem Grenzsteine, die bei der Flurbereinigung und bei (Straßen-) Baumaßnahmen entfernt wurden, in seine Obhut genommen hatte:

Grenzsteine Bürstadt Sammlung

Wenn auch nur eine Kopie, so ist der sog. „Dreihellerstein“ von 1550 sicher einer der schönsten. Er belegt mit dem Wittelsbacher Rautenwappen die zeitweise Zugehörigkeit Bürstadts zur Pfalz (1461-1623), wohingegen das charakteristische rote Beileisen die Herrschaft derer von Frankenstein für Bobstadt dokumentiert. Der „Dreihellerstein“ soll als Nachfolgestein für den schon im Lorscher Codex von 795 erwähnten Grenzstein „Musa“ gesetzt worden sein:
Dreihellerstein Bürstadt

Eine wichtige Landesherrschaft war auch Kurmainz, weswegen etliche der hier aufgestellten Grenzsteine auch das „Mainzer Rad“ tragen. Ein Kuriosum für die Bürstadter Grenzsteinseite ist die, oft neben der Initiale B eingemeißelte Bürste, offenkundig eine Verballhornung des Ortsnamens:
Grenzstein Bürstadt Mainz

Die Grenzsteine sind in der Regel thematisch zusammengestellt, darunter eben Gemarkungs- bzw. Bannsteine, hier auch „Gescheidsteine“ genannt, des weiteren vorwiegend kurmainzische Jagdsteine und Grenzsteine des Kloster Lorsch.

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