Weintrauben(grenz)steine in Jena

Noch habe ich diese besonderen Grenzsteine nicht selbst in Augenschein nehmen können. Vor Jahren hatte ich eine Zeichnung in dem Büchlein „Auf Jenas Wanderwegen“ (1990) entdeckt, mir aber keinen Reim auf die letztlich einfache Deutung machen können. Dann erreichte mich die Email einer Hobby-Fotografin aus dem thüringischen Jena, die auf meine Website und diese Zeichnung gestoßen war und eben solche Grenzsteine erkundet und fotografiert hatte. Seinerzeit wussten allerdings wir beide noch nichts Konkretes betreffs dieser Weintraubensteine. Bis dann Flurdenkmalexperte Harald Quietzsch aus Dresden sich meldete und mir zwei kleinere Aufsätze zukommen ließ, die nunmehr für Aufklärung sorgten.

Seit dem Mittelalter war über mehrere Jahrhunderte hinweg Jena und sein Umland bekannt für gute Weine. Die Stadtväter nutzten folglich die (rote) Traube als Attribut u. a. für Jenas Wappen, aber auch für Grenzsteine. Eine Grenzlinie, die seit 1480 das Jenaer Stadtgericht festlegte und den Stadtbezirk vom Amtsgebiet schied, wurde 1742 neu ausgesteint, mit ca. 24 Grenzsteinen. Dies missfiel allerdings diversen Anrainergemeinden, darunter Cospeda. Man war mit der offenbar veränderten Grenzziehung im Mühltal nicht einverstanden, grub die neuen Steine aus oder zerstörte sie. Der Jenaer Stadtrat legte gegen diesen Frevel Beschwerde bei der herzoglichen Regierung ein, doch kam es nach weiteren Auseinandersetzungen erst 1752 zu einer gewissen Beruhigung und einer entsprechenden Neusetzung von Grenzsteinen. Die Animositäten zwischen Stadt und Nachbargemeinden blieben weiter bestehen. Vermutlich elf Weintraubengrenzsteine haben sich erhalten, die meisten mit der Jahreszahl 1752.

Die zur Stadtseite hin ausgerichtete Seite weist als Initialen St J für Stadt(rat) Jena aus, die Rückseite die Initialen AJ für Amt Jena, in der Regel dazwischen beidseitig eine erhabene Traube, die laufende Nummer sowie das Jahr der Steinsetzung.

Weintraubenstein 1752

Abgegangene Steine der 1752er Serie wurden ersetzt, z. B. durch den wohl optisch schönsten Grenzstein von 1824 (mit etwas veränderten Initialen):

Weintraubenstein 1824

Jeweils ein herzliches Dankeschön geht für die Infos an Harald Quietzsch, für die Fotos an „Gaby J“  („happycat“ bei Flickr: www.flickr.com/photos/happycat).
Direktlink zum Album „Weintraubensteine in Jena“: https://www.flickr.com/photos/happycat/sets/72157628107195670

Menü schließen