Grenzsteine und -säulen an der hessisch-thrüringischen Grenze

Ein Besuch der Gedenkstätte „Point Alpha“ an der ehemaligen Zonengrenze in der hessisch-thüringischen Rhön warf natürlich auch die Frage, wie diese innerdeutsche Grenze nach 1945 zwischen amerikanischer und russischer Besatzungszone zustande kam.

Nach dem Wiener Kongreß 1815 war Sachsen-Weimar-Eisenach zum (mehrteiligen) Großherzogtum aufgestiegen, grenzte nach Westen hin an die preußische Provinz Hessen-Nassau. Aus den diversen Herzog- und Fürstentümern sollte sich später das Land Thüringen entwickeln.

Zwischen der hessischen Gemeinde Rasdorf und der thüringischen Stadt Geisa verlief ein Grenzabschnitt, der wegen seiner besonderen geographischen Lage nach 1945 für die US-Streitkräfte als Beobachtungsstützpunkt in Betracht kam, schließlich zum Observation Post „Point Alpha“ ausgebaut und bis 1991 unterhalten wurde.

Parallel zu den alten Grenzsteinlinien wurden Anfang der 1960er Jahre die mörderischen DDR-Grenzsperranlagen errichtet. Nicht wenige jener Grenzsteine haben sich erhalten (KP für Königreich Preußen; SW für Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach), wenngleich viele auch in Grenzbüschen versteckt sind. Abgegangene Grenzsteine wurden durch Granitsteine mit der Inschrift DDR ersetzt.

Grenzstein Preußen          Grenzstein Sachsen-Weimar

Gewollt gut sichtbar standen entlang der Grenze seit 1966 (nach sowjetischem Vorbild) sog. „Grenzsäulen“ in schwarz-rot-gold. Diese Betonpfosten waren mit Blickrichtung zur Bundesrepublik mit einem Metallschild versehen, das das DDR-Emblem mit Hammer und Sichel zeigte.

Grenzsäule DDR 1          Grenzsäule DDR 2

Eine Besichtigung der Gedenkstätte „Point Alpha“ sei allen empfohlen, die sich intensiver mit der Geschichte des „Kalten Krieges“ und der mitunter menschenverachtenden Funktion von Grenzen befassen wollen.

Literaturhinweis:

Stoll, Klaus Hartwig: Grenzwanderungen. Spurensuche an der ehemaligen Zonengrenze in der hessisch-thüringischen Rhön. Fulda 1999. 63 S.

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