Myriametersteine am Rheinufer bei Ketsch

Ich gestehe, dass ich bei einem Besuch der Ketscher Rheininsel (südlich von Schwetzingen gelegen) nicht auf der Suche nach historischen Grenzsteinen, sondern nach Exemplaren der dort nachgewiesenen Wildrebe war. Ein sehr schön und anschaulicher Naturweg mit zahlreichen Infotafeln führte mich schließlich auch an den Standort besagter Wildrebe (lat. vitis vinifera), der „Urmutter des Weines“.
In unmittelbarer Nähe, am Ufer des Rheines, entdeckte ich dann mir bis dato unbekannte Steine, die Grenzsteinen ähnelten. Es handelt sich dabei um sog. „Myriametersteine“. Dies sind Vermarkungssteine zur Kennzeichnung von Vermessungsergebnissen, die in Folge der Begradigung des Oberrheins nach den Plänen des badischen Ingenieurs Johann Gottfried Tulla in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gesetzt wurden. Veranlasst hatte dies 1867 die Central-Commission für die Rhein-Schiffahrt. Zwischen Rotterdam und Basel wurden rechts und links des Rheins alle 10.000 Meter (altgriech. „myria“ = 10.000) solche steinerne Vermessungsmarken installiert.

Ein bestens erhaltener Myriameterstein am Ketscher Rheinufer hat folgende Beschriftung:
auf der Wasserseite: XXIV – 96,190 M + AP (= Nr. 24 / 96,190 m über dem Amsterdamer Pegel)
Nicht ganz so gut erkennbar sind die Daten auf der Landseite mit folgenden Entfernungsangaben:
24,0000 M von Basel – 58,4450 M bis Rotterdam. Dies gilt auch für die Talseite (3,0072 M bis zur LandesGrenze / also 30,072 km bis zur badisch-hessischen Grenze) sowie die Bergseite (23,6520 M von der LandesGrenze / also 236, 52 km bis zur badisch-schweizerischen Grenze nahe Basel).

MyriaMSteinKetsch24
MyriaXXIV

Unweit dieses wohl 1883 gesetzten Steines befindet sich ein weiterer Stein, dessen Inschriften allerdings nicht leicht zu entziffern sind. Erkennbar ist die Jahreszahl 1880. Welche Bedeutung er hat, konnte ich bis dato nicht ermitteln – vielleicht ein Vorgängerstein?

Immerhin haben sich über 70 solcher Myriametersteine vom Dreiländereck bei Basel bis zur deutsch-niederländischen Grenze erhalten, werden teilweise noch als Festpunkte für die Landesvermessung genutzt.