Rätsel um mysteriösen Grenzstein im Saarland Museum endlich gelöst!

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Es muss 1999 gewesen sein, als Dr. Christoph Trepesch, seinerzeit Kustos der Alten Sammlung des Saarland Museums in Saarbrücken, mich anrief. Er hatte im Depot einen Grenzstein entdeckt, mit dem er nichts anfangen konnte. Ich kam der Anfrage nach und schaute mir den merkwürdigen Sandstein im dunklen Depotkeller an, konnte einige Zeichen erkennen (z. B. die nassau-saarbrückische Wolfsangel), aber eben Vieles nicht.
Einige Jahre später besuchte ich die inzwischen in das ehemalige Saarbrücker Kreisständehaus umgezogene Alte Sammlung und stolperte quasi am Eingang zur obersten Etage über einen dort platzierten Grenzstein. Schau‘ an, dachte ich, das ist ja jener aus dem Depot! Auf der Erläuterungstafel war nur „Grenzstein“ zu lesen – keine weiteren Hinweise.

Grenzstein Nassau SL Museum     Grenzstein Nassau SL Museum 2

Bei der näheren Betrachtung ergaben sich folgende erste Erkenntnisse:

Auf der einen Hauptseite war eingemeißelt: NASSAU, darunter eine zweigestrichene Wolfsangel; rechts an der Seite die (alte) laufende Nummer 205, darüber nachträglich eingeschlagen ein gespiegeltes D (für Deutschland), unter der laufenden Nummer ein gespiegeltes S (für Saarland). Links an der Seite das Jahr der Grenzsteinsetzung 1756 und eine seinerzeit noch nicht entschlüsselte Ziffer N 906.
Die gegenüberliegende Hauptseite (leider unmittelbar an einer reflektierenden Glasscheibe) barg ein bis dato noch nicht gelüftetes Rätsel. Eindeutig sind die Initialen PFALTZ (sie stehen für das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken). Sie erlaubten mir, den vermeintlich originalen Standort dieses translozierten Steines zu verorten. Dabei bot mir der von Günther Gensheimer für die Kreisstadt Neunkirchen erstellte Flyer „Der Grenzsteinweg von 1756 im Forbacher Wald“ eine auf den ersten Blick plausible Erklärung. Dank der dort angegebenen Nummerierung konnte ich eine fehlende (neue) Nr. 29 als die ursprüngliche Nr. 205 einstufen. Doch diese Interpretation war letztlich zu simpel.

Vor einiger Zeit meldete sich Andreas Lang aus Niederkirchen, seines Zeichens Grenzsteinkenner aus dem Ostertal. Er hatte eine überzeugendere Erklärung, wo besagter translozierter Grenzstein einst tatsächlich stand:

„Die Inschriften PFALTZ und NASSAU sowie die Jahreszahl 1756 zeigen an, dass der (Museums-) Stein zur pfalz-zweibrückisch/nassau-saarbrückischen Grenze gehörte. Die gleichen Inschriften und auch die gleiche Jahreszahl findet man auch auf dem noch vorhandenen Stein Nr. 168 dieser Grenze, der zwischen Breitenbach und Lautenbach steht. In der ersten Karte sieht man auch den Standort des Steines, und zwar zwischen Saal und Werschweiler, an der heutigen Werschweiler Hirtenstraße.

An genau dieser Stelle (Folgekarte) wird dann 1919 der Saargebietsgrenzstein Nr. 25 B gesetzt. In der Übersicht des „Grenzatlas zur Saargebietsgrenze“ sieht man, dass die alte bayerisch-preußische Nummer die 906 (!) war.

Dort sieht man auch, dass der Grenzsein Nr. 25 B ein ganz neuer Saargebietsgrenzstein war und nicht wie seine Nachbarn, alte Steine, die neu zubehauen wurden.

So trägt der rätselhafte Grenzstein also die Nr. 205 aus der Zeit Pfalz-Zweibrücken/Nassau-Saarbrücken und die Nr. 906 aus der bayerisch-preußischen Zeit. Genau so hat man ja mit dem nur wenige hundert Meter entfernt stehenden Dreibannstein oberhald des Wendalinushofes bei St. Wendel verfahren, der ja die 218 aus der Zeit PZ/NS und die 892 aus der Zeit P/B trägt und der auch die Inschriften Nassau bzw. Pfalz trägt (wobei vom Wort Pfalz nicht mehr viel übrig ist).“

Bleibt als Rätsel, was die vertikal eingemeißelten Buchstaben- und Ziffernfolgen DBS789, dazu parallel 123456, sowie ein Sanduhrzeichen und eine Null (0) oder ein O bedeuten könnten? Vermutlich diente dieser abgebrochene Grenzstein später nur als „Probestein“ für einen Steinmetz.

Abschließend geht mein herzlicher Dank für die Aufklärung an Andreas Lang!