Roland Schmitt ist Leiter der Bibliothek des Saarländischen Rundfunks in Saarbrücken. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit (Regional-) Geschichte, vor allem mit der seines Wohnortes Eschringen, wo er auch die Geschichtswerkstatt betreut (weitere Details unter: Steckbrief).

Wie alles anfing:

Meiner damals vierjährigen Tochter Yasmina habe ich dieses merkwürdige Interesse an alten Grenzsteinen letztlich zu verdanken. Im Frühjahr 1994 spazierten wir beide querfeldein über (uns bis dato unbekannte) Fluren unseres Dorfes Eschringen (inzwischen ein Stadtteil von Saarbrücken) und stießen auf einen merkwürdigen Granitstein, der sich uns gewissermaßen in den Weg stellte. Erwartungsgemäß stellte meine Tochter die „klassische“ Frage: „Papa, was ist das?“. Die Initialen auf diesem Stein (KB und KP) sowie eine Jahreszahl (1912) mussten eine Bedeutung haben. In Eschringen spricht man bisweilen noch von der „bayerischen Zeit“, wogegen man in Saarbrücken immer wieder mit (baulichen) Zeugnissen aus „preußischer Zeit“ konfrontiert wird. Ich mutmaßte, dass dieser Stein etwas mit einer Grenze zu tun haben müsste und wollte schließlich Genaueres erfahren…

Wenige Monate zuvor hatte sich im Ort eine „Geschichtswerkstatt“ gegründet, und in der Tat wurde ich dort fündig. Ein einheimischer Kenner klärte mich auf und bestätigte meine Vermutung, dass die alte Banngrenze zum Nachbardorf Fechingen von 1816 bis 1918 das „Königreich Bayern“ (KB) vom „Königreich Preußen“ (KP) schied. Und er verriet mir, dass es (logischerweise) noch mehrere und ältere und vor allem „schönere“ Grenzsteine in und um Eschringen gäbe. In der Folgezeit trafen wir uns noch einige Male, um diese oft versteckten Grenzsteine zu suchen. Letztlich reifte in uns der Gedanke, möglichst alle Bannsteine aufzuspüren und die entsprechenden Ergebnisse zu dokumentieren. Es fanden sich noch weitere Mitstreiter, und auch die ansässige Grundschule wurde in dieses Projekt eingebunden. 1997 schließlich konnten wir in einer Ausgabe der „Eschringer Hefte“, der Schriftenreihe der Geschichtswerkstatt, unsere Recherchen und Beiträge veröffentlichen.

Das bei mir entfachte „Grenzsteinfieber“ ließ aber nicht nach, dehnte sich nunmehr über die lokalen und auch regionalen Grenzen aus. Bei Urlaubsreisen, bei Fahrten zu entfernt lebenden Freunden und Familienangehörigen lauerte ich auf Gelegenheiten, mir mal „die Beine vertreten“ zu können, was ich dann hin und wieder nutzte, um „vor Ort“ alte Grenzsteine zu suchen.

Dank meines Berufes konnte ich mir relativ mühelos weiterführende Literatur und Kartenmaterial beschaffen, wobei mir auffiel, dass es zahllose und sehr fundierte Veröffentlichungen zum Thema „Historische Grenzsteine“ gibt, diese jedoch selten über den lokalen und regionalen Rahmen hinaus gehen. Diese Feststellung bewog mich, nicht nur Material zu allen möglichen Aspekten der Grenzsteingeschichte zu sammeln, sondern diese Erkenntnisse auch zusammenzuführen und letztlich zu veröffentlichen.

Bibliografie:

Schmitt, Roland: Schützens- und erhaltenswert: Historische Grenzsteine. In: ZeitRisse, Mitteilungen zur regionalen Kultur und Geschichte. Saarbrücken 2000, 1, S. 7-9.

Stumme Zeitzeugen, die dennoch erzählen: Grenzsteine und Wegekreuze in und um Eschringen / Roland Schmitt (Hrsg.). Saarbrücken-Eschringen, 1997. (Eschringer Hefte; 2)

Der Eschringer Grenzsteinlehrpfad / Roland Schmitt. Saarbrücken-Eschringen 2003.

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